Auch wir Menschen mit Autismus wollen uns verstanden wissen
Auch wir Menschen mit Autismus wollen uns verstanden wissen

Unser Danny

Danny kam 2001, ohne Probleme bei der Geburt, auf diese Welt und ist mit deutlich älteren

 

Geschwistern aufgewachsen, die aus unseren früheren Beziehungen sind, eine echte Patchwork-

 

Familie also. Durch das Heranwachsen mit älteren Geschwistern, deren Freunden und

 

Bekannte, ist Danny schon von klein auf an den Umgang mit älteren Kindern bzw. Jugendlichen

 

gewohnt und entwickelte sich zum Verbalakrobaten. Es hat uns nicht sehr gewundert, dass er

 

z.B. auf Spielplätzen wo gleichaltrige spielten keine Lust hatte mitzuspielen, sondern es vorzog

 

solche Plätze fast immer alleine für sich zu haben. Danny hatte von klein auf an seine eigene

 

(für uns nicht nachvollziehbare) Sortierordnung. Anfangs haben wir versucht dieses zu

 

verändern -sind aber gescheitert- und haben es akzeptiert, ohne zu wissen warum. Im Alter von

 

ca. 2-3 Jahren fing er an, sich beim Spielen mehr um einzelne Details als um das eigentliche

 

Spielen zu interessieren. Auch beim Versuch, ihm das Spielen näher zu bringen, mussten wir

 

unsere negative Erfahrung machen. Dieses fiel uns eigentlich gar nicht auf, denn er spielte sehr

 

fantasievoll und erfand jede Menge Spiele und Spielregeln. Dazu muss man sagen, wir finden

 

fantasievolles Spielen als sehr wichtigen Punkt in der Entwicklung eines Kindes, da Fantasie in

 

der heutigen Spielwelt fast verloren gegangen ist. Mit ca. 3,5 Jahren kam Danny in den

 

Kindergarten und erschien dort zuerst mehr introvertiert. Dieses änderte sich als seine Mama

 

wieder zu arbeiten begann und Danny jeden morgen zur gleichen Zeit im Kindergarten an kam.

 

Von diesem Moment an (er bekam eine festere Tagesstruktur) entwickelte er sich richtig toll

 

weiter, so dass auch im Kindergarten nichts auffälliges an seinem Verhalten war, außer dass er

 

meistens nur mit ein oder zwei anderen bestimmten Kindern spielte. Ein viertel Jahr vor der

 

Einschulung (er wurde mit fast 7 Jahren eingeschult) begann eine leichte

 

Kindergartenmüdigkeit.

 

Er hatte aber richtig Lust auf Schule, obwohl man merkte, dass er den Kindergarten stark

 

vermissen wird. Die ersten zwei Monate in der Schule liefen relativ gut, danach ging gar nichts

 

mehr. Sein Sozialverhalten war kaum aushaltbar. Dieses verlagerte sich nach einiger Zeit auch

 

auf unser Zuhause, so dass wir nach unzähligen Veränderungsversuchen uns entschlossen,

 

einen Kinderpsychologen und eine spezialisierte Kinderärztin aufzusuchen. Die erste Diagnose

 

war ADHS mit einem IQ von 130 in Teilgebieten. Danny wurde mit Ritalin eingestellt

 

(Ausführungen über die Nebenwirkungen und deren Auswirkungen würden an dieser Stelle zu

 

weit führen) aber die Auswirkung auf sein Verhalten war nur sehr gering. Es gab eine riesige

 

Menge Stress in und mit der Schule (wir gehen auch darauf hier nicht näher ein, nur soviel:

 

wir könnten ein dickes Buch darüber schreiben). Wir wandten uns an die 2 Fachkliniken in

 

unserer Nähe. Zum Glück bekamen wir unmittelbar nach den Sommerferien 2009 einen Platz

 

zur stationären Behandlung im Schleiklinikum Hesterberg. Hier wurde schon in den ersten

 

Tagen vermutet, dass etwas mehr/anderes hinter Danny`s Verhalten steckt; was sich auch

 

relativ schnell bestätigte. Wir bekamen die Diagnose Asperger-Autismus. Nachdem wir die

 

Diagnose verarbeitet hatten, setzten wir uns sehr intensiv mit dem Thema Autismus und speziell

 

Asperger-Autismus auseinander und fanden immer mehr Zeichen in Danny`s Entwicklung, die

 

wir aber erst mit unserem heutigen Wissen erkennen können. Nach 5 Monaten Klinikaufenthalt

 

wurde Danny  entlassen und begann an einer anderen Schule seinen Neustart. 

 

Er hat die neue Grundschule überwiegend erfolgreich, auch Dank seiner Schulbegleitung hinter

 

sich gebracht. Nach einem Abstecher auf ein Gymnasium ist Danny nun auf einer

 

Regionalschule im Realschulzweig und kommt auch ohne Schulbegleitung relativ gut klar. Seine

 

eigene Sichtweise der "Dinge"  macht ihm manchmal das Leben nicht gerade einfacher, aber

 

dank einer hohen Akzeptanz aller Menschen in seinem Umfeld (besonders auch der Schule)

 

wird er im Sommer2018 die Schule mit einem Realschulabschluss verlassen.

 

Und für uns bleibt an dieser Stelle nur "Danke" zu sagen für die kooperative Zusammenarbeit

 

mit allen Beteiligten, denn wir (Schule und Eltern) müssen gemeinsam Danny durch die

 

Schulzeit begleiten.

 

Wir sind voller Hoffnung, das alles gut wird und drücken besonders Danny, aber auch uns, die

 

Daumen